Themenwelt –
Mental Health

Toxische Beziehungen

Was sie ausmacht, wie man sie erkennt 

und

Warum man immer wieder auf sie reinfällt

Habt Ihr Menschen in Eurem Leben, an denen ihr festhaltet, obwohl sie Euch nicht guttun?

Passiert es Euch immer wieder, dass Ihr jemanden toll findet, Euch schnell anfreundet und nach einer Weile feststellt: „Geht gar nicht!“ Dann hofft Ihr jedes Mal, wenn Ihr auf Euer Handy schaut, dass er oder sie nicht getextet oder angerufen hat und wenn doch, sinkt Eure Laune gegen Null. Denn ungleiche Freundschaften sind wahre Energieräuber.

Warum fallen wir immer wieder auf sie rein?

Wenn Ihr im Autismus- Spektrum seid, ist die das Warum recht schnell gefunden: Wer andere Menschen schlecht einschätzen kann, deren Absichten nicht gleich erkennt und sich noch dazu grundsätzlich schwertut, Freundschaften zu schließen, dem passiert es eben schnell mal, dass er/sie an den/die Falschen gerät.

Doch mangelhafte Menschenkenntnis oder Naivität ist tatsächlich eher selten das Problem. Es ist vielmehr so, dass gerade diejenigen, die uns nicht guttun, hervorragend darin sind, unsere Bedürfnisse auszulesen und uns auf deren Seite zu manipulieren. „Love Bashing“, andere mit Liebesbezeugungen und Komplimenten überschütten, ist so eine Masche, mit der Freunde oder gar Beziehungspartner eingefangen werden sollen.

Wenn wir dann erste Zweifel spüren an der Integrität des anderen, schieben wir sie weg, weil wir an das Gute im Menschen glauben und unsere eigene Wahrnehmung, unsere Freundschaftswahl, nicht in Frage stellen wollen.
Auch Eltern, Geschwister oder andere Verwandte können zu denjenigen gehören, die uns nicht guttun. Man kann sich seine Familie schließlich nicht aussuchen.

Wie erkennt Ihr toxische Menschen?

Es gibt ein paar Charakteristika, auf die Ihr achten müsst:

Die „so tun als ob“ Typen:

Das sind diejenigen, die Euch schön ins Gesicht reden, Euch sagen, was Ihr hören wollt und Euch hinter Eurem Rücken schlechtmachen. Im Job findet Ihr diese Variante oft unter denen, die Eure Ideen als ihre eigene verkaufen und so tun, als hättet Ihr überhaupt keine Ahnung. Solche Gestalten gab es in meinem Arbeitsleben zuhauf.

Die Fähnchen im Wind:

Je nach Umfeld sind sie Eure besten Freunde oder sie tun so, als würden sie Euch nicht kennen und machen Euch schlecht. Und zwar vor anderen. Andererseits erwarten sie, dass Ihr auch Mitten in der Nacht durch die halbe Stadt fahrt, wenn sie Euch brauchen. Andersrum: eher nicht.

Die Kritiker:

Das sind die, in deren Gegenwart Ihr Euch vielleicht klein und verunsichert fühlt. Ihr seid immer auf der Hut, der andere könnte Euch mal wieder testen. Das Ganze läuft dann oft unter dem Deckmäntelchen des „ich will doch nur helfen“. Tatsächlich ist es aber nichts anderes als ein gemeines Machtspiel, das dazu dient, dass sich der andere besser fühlt. Sein Selbstwert ist nämlich unterirdisch.

Der Neider:

Ihr macht Urlaub am Gardasee. Er/Sie macht Urlaub auf einem Segelboot in Kroatien.

Ihr habt einen neuen Pulli, er/sie hat einen neuen Pulli und einen neuen Mantel.
Immer noch eine Schippe draufsetzen, damit Ihr Euch kleiner fühlen sollt. Redensart: Ich -Form.

Der Pseudohelfer:

Diese Menschen leben davon, dass es Euch schlecht geht. Je schlechter es Euch geht, umso besser fühlen sie sich. Sie ernähren sich quasi davon, Euch „helfen“ zu können. Das Blöde daran ist, dass sie bewusst und unbewusst dazu beitragen, dass es Euch nicht besser gehen kann. Sie halten Euch in Euren Problemen gefangen.

Angenommen Ihr wart krank und es geht Euch besser. Dann kommt nicht: „Wie schön, dass es Dir besser geht!“ Stattdessen werdet Ihr darauf hingewiesen, dass Ihr doch so blass ausseht und so schmal und Ihr Euch doch unbedingt schonen solltet. Es geht dabei kein Stück um Euch. Helfersyndrom, nennt man deren Problem.

Der Veränderer:

Der ist schnell erklärt: Er kann Euch nicht so lassen, wie Ihr seid. Er will Euch „so- wie“ umformen. Diejenigen brauchen oft einen Verbündeten, um sich durch Euch zu bestätigen, dass sie selbst das Richtige tun. Auch hier liegt es wieder an deren niedrigem Selbstwert.

Der Explosive:

Wutausbrüche und Sarkasmus (auch eine Form von Wut) sind an der Tagesordnung. Ihr denkt schon Stunden vorher darüber nach, wie Ihr Euch verhalten müsst, um die Explosion zu verhindern. Die Wutanfälle dieser Menschen sind oft Muster. Sie haben gelernt, dass sie dadurch Macht über andere bekommen, dass Ihr Euch unterordnet. Nach außen hin sieht es so aus als wären sie unglaublich selbstbewusst. Das Gegenteil ist der Fall.

Zusammengefasst:

Toxische Menschen gönnen Euch nichts, freuen sich nicht mit Euch, sind unzuverlässig, hören sich selbst gerne reden, neigen zu Missgunst, können sich nicht entschuldigen, schauen auf Euch herab, sind launisch, nachtragend, alles andere als bedingungslos und hinterlassen ein mieses Gefühl in Euch.

Braucht kein Mensch.

Was könnt Ihr dagegen tun?

Erst mal, nicht so schnell auf tiefere Freundschaften oder gar Beziehungen einlassen. Was Letzteres betrifft, denkt daran: Liebe macht blind. Also besser zunächst nur ab und zu Zeit miteinander verbringen und spüren, wie der/die andere auf Euch wirkt. Achtet auf wiederkehrende Muster und auf Eure Reaktionen darauf. Vertraut Eurem Bauchgefühl, es stimmt in diesem Fall meistens.

Wenn Ihr schon feststeckt in solch einer Beziehung, nehmt Euch eine Auszeit und schaut, wie es Euch ohne den/die anderen geht. Vermisst Ihr ihn/sie? Wenn ja, was? Oder geht es Euch vielleicht sogar spürbar besser. Dann überlegt eine Trennung. Das Leben ist zu kurz, um es einem Menschen zu opfern, der Euch nicht guttut.

Schwieriger wird es, wenn es sich um Familienmitglieder handelt. Aber auch hier dürft Ihr so weit als möglich auf Abstand gehen. Ihr seid Euren Eltern nicht verpflichtet, nur weil sie Euch geboren haben. Hier ist die Trauer darüber, dass Ihr von Euren Eltern nicht bekommen könnt, was Ihr Euch wünscht, der schwierigste Part. Und Geschwister und Verwandte muss man auch nicht unbedingt in seinem Leben haben, nur der Gene willen.

Wenn Ihr die Beziehung aufrechterhalten wollt, müsst Ihr die Probleme ansprechen und Konsequenzen aufzeigen, wenn sich nichts ändert. Und diese dann auch ziehen. Das bewahrt Euch vor viel Stress und Selbstzweifeln und macht den Weg frei für Eure Wunschfamilien.