Themenwelt –
Mental Health

 Gute Therapeuten, schlechte Therapeuten

Wie Ihr einen guten Therapeuten findet

und was ihn von schlechten unterscheidet.

Irgendwann kam der Moment, in dem mir klar wurde: Ohne therapeutische Hilfe komme ich nicht mehr raus aus dieser depressiven Episode. Also habe ich das Problem bei meinen Ärzten mal vorsichtig erwähnt. Autistisch, wie ich nun mal bin (wenn auch noch nicht diagnostiziert zu diesem Zeitpunkt), war ich dabei sachlich und konkret und machte offenbar alles andere als einen depressiven Eindruck. Wie auch immer man da wirken sollte.

Wisst Ihr, was „medical gaslighting” ist?

Sowas, wie das hier:

„Depressionen, dafür sind Sie nicht der Typ.“

„Mit Depressionen ist man nicht so klar wie Sie.“

„Ich bin hier keine Krankschreibepraxis.“

„Gaslighting“ bedeutet vereinfacht gesagt, jemand redet Euch Eure Empfindungen und Wahrnehmungen aus. Dazu später mehr.

Ich wusste zwar, dass mich mein Gefühl für meinen Zustand nicht täuschte, schließlich bin ich selbst „vom Fach“. Aber wer hat schon Lust, sich immer wieder derartige Kommentare anhören zu müssen. Ermutigend ist das nicht. Und die Erfahrungen, die ich sonst so hatte mit Therapeuten, schrien auch nicht nach Wiederholung. Dabei ging es nämlich nie darum, was ich empfand und wie ich mich selbst sah, sondern was im DSM stand und wie ich aussah. Ergo: Wer dünn ist und sich restriktiv ernährt, ist anorektisch. Punkt. Und wenn die Patientin dann sagt, da kann etwas nicht sein, dann leugnet sie ihre Realität und dann ist Ihr eben nicht zu helfen. Vor allem, wenn sie noch so jung ist, wie ich damals war. Und das, obwohl die Therapeuten selbst sehen konnten, dass ich nicht so recht in das Anorexie Muster passte, auch nicht in das Althergebrachte. Anyways, letztendlich hatte ich Glück und fand zwei wunderbare Psychotherapeuten[1], die mir mit ihrer Kompetenz und Herzlichkeit mehr geholfen haben als ich hier ausdrücken könnte. Die gibt es also auch.

Nur, wo sind sie, wie findet Ihr sie und wie erkennt Ihr sie?

Viele von Euch sind schon sehr lange auf der Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten/Therapeutin. Vor allem für die Bereiche Autismus bei Erwachsenen und Essstörungen sind sie offensichtlich schwer zu finden. So habt Ihr z. T. ähnliche oder noch wesentlich schlimmere Erfahrungen gemacht als ich. Ganz besonders belastend sind ungute Therapiesituationen für Kinder und Jugendliche, die noch sehr beeinflussbar sind, die sich selbst noch nicht gut kennen und die außerdem auf das Einverständnis der Eltern angewiesen sind. Darauf, dass sie ihnen glauben, wenn sie eine Therapie beenden wollen, weil da irgendetwas nicht rund läuft, anstatt sie vielleicht sogar aus verständlicher Sorge noch zu zwingen, weiter dorthin zu gehen.

Fangen wir mal damit an, wie Ihr vorgehen könnt, wenn Ihr eine Psychotherapie braucht:

Wenn Ihr bei Google „Therapeutensuche“ eingebt, bekomm Ihr einige Treffer. Da könnt Ihr mal durchprobieren, was die so ausspucken.

Weitere Quellen sind Eure Krankenkasse oder die Koordinationsstelle für Psychotherapie der Kassenärztlichen Vereinigung. Hier findet Ihr vor allem auch die Therapeuten, die über die Krankenkasse abrechnen können.

Dann ist da noch die deutsche Vereinigung der Psychotherapeuten und der Psychotherapeuten Suchdienst.

Jameda ist auch eine gute Site, um zu sehen, wie andere Patienten Ärzte und Therapeuten bewerten.

Online Therapie ist ähnlich wirksam wie Face to Face Psychotherapie. Es gibt aber Leute, vor allem Autisten, die mit diesem Modell nicht gut zurecht kommen. Doch es ist eine gute Option für diejenigen, die in abgelegeneren Gegenden wohnen, mit minimaler Therapeutendichte und langen Wartezeiten, vor allem, wenn dringender Bedarf besteht.

Diese Beispiele sind sicher nicht abschließend. Bitte gerne ergänzen in den Kommentaren oder im Forum.

Welche Regelungen gibt es?

Erstmal kommt es darauf an, ob Ihr gesetzlich oder privat versichert seid oder Eure Therapie selbst bezahlen wollt. Dafür kann es durchaus Gründe geben. Wer z.B. eine Beamtenlaufbahn anstrebt oder eine im öffentlichen Dienst, der muss zur Einstellungsuntersuchung zum medizinischen Dienst und dort auch psychotherapeutische Behandlungen angeben. Wer das nicht will, weil es den Job gefährden könnte, ist auf der sicheren Seite, wenn die Therapie privat bezahlt wird und die Anträge dafür nirgends auftauchen.

Bei einem von der Kasse zugelassenen Therapeuten habt Ihr als gesetzlich Versicherte zunächst mal Anspruch auf 2- 4 Probesitzungen a 50 Minuten (Jugendliche 2-6).

Privat- oder Beihilfe Versicherte sollten bei ihren Kassen nachfragen, denn hier kommt es auf den Tarif an.

Zu den Probesitzungen müsst Ihr wissen: Sie sind nicht auf den Therapeuten bezogen, sondern auf die Anzahl der gewährten Stunden. Das heißt, wenn Ihr nicht bei demjenigen bleiben wollt, bei dem Ihr die erste(n) Probestunde(n) hattet, habt Ihr für alle weiteren Versuche bei anderen Therapeuten nur noch den Rest Eures Kontingentes zur Verfügung. Also wartet nicht zu lange, wenn Ihr das Gefühl habt, es passt nicht, sondern versucht es schnell bei dem Nächsten.

Fast alle Therapeuten haben Wartelisten. Lasst Euch bei jedem auf die Liste setzen, der für Euch in Frage kommt. Absagen könnt Ihr immer, wenn Ihr einen Platz bekommen habt. Wer zeitlich flexibel ist und nicht auf die Abendstunden angewiesen ist, hat größerer Chancen.

Wenn die Wartezeiten unüberbrückbar sind und das Problem sehr drängt, könnt Ihr auf eine Sonderregelung der (gesetzlichen) Krankenkassen zurückgreifen. Ihr könnt bei Eurer Kasse beantragen, einen Therapeuten bezahlt zu bekommen, der keine Kassenzulassung hat, der also z.B. nach dem Heilpraktiker Gesetz tätig ist. Die haben oft schneller Termine. Dafür ist der Nachweis notwendig, dass Ihr anderweitig nicht erfolgreich wart. Es empfiehlt sich also, die Suche, die Absagen und die Wartezeiten zu protokollieren.

Dann gibt es noch die psychotherapeutische Sprechstunde für gesetzlich oder privat Versicherte. Ärzte mit Psychotherapiezulassung müssen eine bestimmte Anzahl von Stunden freihalten für ebendiese Sprechstunde. Das ist ein einfacher Zugang für Patienten, um abzuklären, was ihnen fehlt und ob und welche Therapieform in Frage kommt. Die Sprechstunde umfasst ca. 25 Minuten pro Patienten und kann maximal sechsmal in Anspruch genommen werden. Wenn notwendig, kann sich hieran auch eine Akutbehandlung mit 24 Sitzungen a 25 Minuten anschließen, um akute Krisen abfangen zu können.

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt zwischen 48 und 100 Therapiestunden, abhängig von der Ausrichtung der Therapie. Private Kassen zahlen wie gesagt nach Tarif. Beantragt wird die Kostenübernahme durch den jeweiligen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Man kann in Gruppentherapie gehen, sofern angeboten, in Einzeltherapie oder auch eine Kombi aus beidem machen, allerdings, soweit ich weiß, nur bei demselben Therapeuten. Die genehmigten Stunden kann man nicht zwischen mehreren Therapeuten (z.B. Verhaltenstherapie und psychoanalytisch fundierte Therapie) aufteilen, was im Falle einer ESS oft sinnvoll wäre. Braucht Ihr ein integratives Gesamtkonzept, müsst Ihr in eine Tagesklinik oder ein Tagesprogramm, wie es z.B. bei ANAD angeboten wird oder Ihr müsst bestimmte zusätzliche Therapien selbst bezahlen. Außer der Ernährungsberatung-/Therapie, die wird unabhängig von Psychotherapie gewährt, wenn die Notwendigkeit bescheinigt wird und der Ernährungsberater mit der Kasse abrechnenden kann.

Passt der Therapeut oder dessen Behandlungsausrichtung nicht, könnt Ihr während der Therapiezeit wechseln. Ihr könnt dann aber nur noch die Stundenzahl nutzen, die übrig ist und bekommt nicht nochmal das komplette Kontingent für den neuen Psychotherapeuten.

Welche Fachrichtungen bieten Psychotherapie an?

Ärzte mit Zusatzausbildung für Psychosomatik und Psychotherapie (machen auch Diagnostik, Begutachtung, Krankschreibung, dürfen Medikamente verschreiben.)

Psychiater mit Zusatz Psychotherapie (Medikamente, Krankschreibung, Diagnose und Begutachtung)

Psychotherapeuten nach dem Heilpraktiker Gesetz (keine KK Leistung, keine Medikamente, keine Krankschreibung, Diagnostik oft nicht offiziell anerkannt)

Klinische Psychotherapeuten (Diagnose und Begutachtung)

Sozialpädagogen mit Zusatzausbildung (meist systemische Therapien, keine Diagnose und keine Begutachtung für z.B. Antrag auf Schwerbehinderung, Gutachten im Rahmen der Jugend- und Vormundschaftsangelegenheiten)

Wer Leistungen von öffentlichen Trägern beantragen will, braucht einen Facharzt, der Diagnosen stellen und begutachten darf. Alles andere wird i.d.R. nicht anerkannt.

Ein paar Sätze zum Coaching:

Coaching ist keine Therapie und ersetzt diese auch nicht. Coaching ist eine eher auf kurze Zeiträume angelegte Begleitung, die ein bestimmtes, eher konkretes Ziel herausarbeitet und mit entsprechenden Methoden zu erreichen versucht. Coaches dürfen nicht diagnostizieren und/oder begutachten, weder krankschreiben noch stationär einweisen und auch keine Medikamente verschreiben. Dafür sind sie lebensnäher und haben offenere Behandlungsgrenzen als Therapeuten. Sie sind je nach Vereinbarung stets erreichbar, gehen auch mal mit zu Behörden oder zum Einkaufen, oder machen, wie bei Essstörungen oft benötigt, Mahlzeitensupport.

Coaching ist keine Kassenleistung, kann aber unter bestimmten Umständen von der Steuer abgesetzt werden (z.B. berufliches Coaching).

Es gibt viele Therapeuten, die zugleich Coachingausbildungen haben. Die Sitzungen werden aber i.d.R. bei der-/demselben Klientin/Klienten nicht vermischt. Coaching ist Coaching und Therapie ist Therapie.

Welche Psychotherapieausrichtungen gibt es?

Die gängigsten, die auch von der Krankenkasse bezahlt werden, sind Verhaltenstherapie, reine Gesprächstherapie, systemische Therapie (Schwerpunkt soziale Interaktion als Grund der Entstehung von Störungen), Psychoanalyse, Schematherapie und tiefenpsychologische Therapie, in Einzelstunden oder im Gruppensetting.

Daneben gibt es noch die Familien- und Paartherapie, Gestalttherapie, Kunsttherapie, Bewegungstherapie, Musiktherapie und sicher noch einige andere. Meist sind diese Therapierichtungen Selbstzahlerleistungen.

Wem was hilft hängt sehr von der Person ab und natürlich vom Störungsbild. Autisten und Menschen mit Essstörungen z.B., profitieren oft mehr von verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Essstörungen manifestieren und erhalten sich durch das Verhalten, welches entsprechend hinterfragt und gezielt verändert werden muss. Expositionstherapie, also Desensibilisierung der Ängste, ist eine verhaltenstherapeutische Komponente. Und Autisten tun sich oft schwer damit, frei zu erzählen und die meist sehr offenen Frage der analytisch orientierten Therapeuten zu verstehen. Außerdem kann man Autismus nicht weg reden, aber Autisten können Tools lernen, um bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenschaften, die sie als störend empfinden, besser handhaben zu können.

Welche Eigenschaften machen einen guten Therapeuten aus und welche eher nicht?

Erstmal braucht ein Therapeut eine Lizenz, die auch seinen Schwerpunkt ausweist. Wenn nicht klar ist, ob er eine hat, fragt nach.

Er sollte erfahren und mit Eurem Problem vertraut sein. Das ist ganz besonders wichtig für Euch, wenn Ihr Essstörungen habt oder Autisten seid, weil das keine Themen sind, die häufig vorkommen in der therapeutischen Praxis. Spezialisierungen oder breites Erfahrungswissen sind daher eher selten. Wenn Eure Therapeuten gar keine Ahnung haben davon, was diese Erkrankungen (ESS)/Behinderung (ASS) ausmachen, müssen sie schon sehr offen dafür sein, von Euch zu lernen und mit Euren Eigenwahrnehmungen zu arbeiten. Doch selbst wenn sie das sind, ist das gerade bei Essstörungen sehr problematisch, denn diese Erkrankungen haben so eine Macht über die Betroffenen und sind so scham- und angstbesetzt, dass das, was Patienten berichten, oft nicht so ganz der Realität entspricht. Deshalb ist es eigentlich unabdingbar, dass ein Therapeut für Essstörungen unterscheiden kann zwischen der Stimme der ESS und den gesunden Anteilen des Patienten. Dafür braucht er entweder eigene Erfahrungen oder sehr viel Praxis. Außerdem muss er sehr reflektiert mit seiner eigenen Ernährung und mit seinen Vorstellungen davon, wie ein gesunder Körper auszusehen hat, umgehen können. Er muss seine Einstellungen und Werte diesbezüglich trennen können von dem, was für essgestörte Patienten notwendig und richtig ist. Dasselbe gilt auch für ED- Coaches. Dieses Kriterium entscheidet darüber, ob Ihr eine reelle Chance auf Genesung habt oder ob Therapie eventuell sogar alles schlimmer macht.

Therapeuten und Coaches für Essstörungen müssen außerdem auf dem neuesten Stand sein. Wir haben schon genug chronifizierte Essgestörte, denen nicht geholfen wurde, weil die Behandlung einen falschen Ansatz hatte.

Was Autismus angeht, muss sich ein Therapeut einlassen können auf die autistische Art der Kommunikation und auf die entsprechenden Bedürfnisse. Er muss bereit sein, auch mal etwas Schriftliches anzunehmen, er muss auf Telefonate verzichten können und Alternativen anbieten und er muss wissen, dass bestimmte Fragestellungen dazu führen können, dass „gar nichts mehr“ geht. Auch muss ein Therapeut, der Autisten behandelt, erkennen oder zumindest hinterfragen können, wann und ob sein Patient maskiert und wann nicht. Eine reizarme und ruhige Umgebung der Therapieräume wäre auch nicht verkehrt und Gruppentherapie ist für die meisten Autisten nicht machbar, es sei denn, sie findet nur mit Autisten statt.

Ich habe bei den meisten Punkten bewusst den Begriff „muss“ benutzt, weil ich sie für unbedingt notwendig halte. Ihr könnt die probatorischen Sitzungen nutzen, um entsprechende Fragen zu stellen.

Der Stil muss passen. Es gibt Patienten, die lieben das Chaos und andere brauchen Struktur.

Die Chemie muss stimmen. Ganz wichtig. Das Verhältnis Therapeut- Patient, die Sympathie, ist das, was einen Erfolg überhaupt erst möglich macht.

Empathie ist wichtig, und zwar sowohl kognitiv (Perspektivenübernahme) als auch Affektiv (mitfühlen).

Vereinbarungen müssen klar sein:

Wann angerufen oder eine E-Mail geschrieben werden darf, ob und wann darauf regiert wird, wird klar kommuniziert und eingehalten. Es geht z.B. nicht, Anrufe oder E- Mails des Patienten nicht zu beantworten, ohne klar gesagt zu haben, dass diese Art von Kommunikation nicht erwünscht ist.

Es wird auch bereits am Anfang der Therapiezeit darauf hingewiesen, wie mit akuten Krisen umgegangen wird. Es gibt gesetzliche Vorschriften, wann bei z.B. Selbstmorddrohungen oder Äußerungen von Verbrechensabsichten oder begangenen Verbrechen die Polizei hinzugezogen oder zum Patienten geschickt werden muss.
Es gibt kritische Situationen, in denen Therapeuten ausnahmsweise stündlich beim Patienten anrufen oder einen Anruf von diesen erwarten.
Bei Minderjährigen müssen Eltern über bestimmte Inhalte der Stunden informiert werden.

Gute Therapeuten machen einen Therapieplan, auch in gesprächsorientierten Psychotherapien. Es ist wichtig, Therapieziele gemeinsam mit dem Patienten zu definieren, Zwischenschritte festzulegen und diese regelmäßig zu überprüfen, den Eindruck zu kommunizieren und den Plan ggf. nachzujustieren. Dieser Plan muss nicht zwingend schriftlich fixiert werden, es macht aber häufig Sinn, das zu tun.

Ein Psychotherapeut muss selbst psychisch stabil sein. Ich hatte mal eine Therapeutin, die meine Stunden zu ihren gemacht hat. Ich habe ihr letztendlich mehr geholfen als andersrum. Und mir, Aspie- Ani, war das ganz recht, weil ich dann nicht reden musste. Aber sowas darf nicht passieren! Wenn der Therapeut mehr (über sich) erzählt als der Patient: Ansprechen. Wenn sich nichts ändert, wechseln.

Er muss zuhören können und offen sein für die Perspektive des Patienten. Therapeuten, die in Schubladen denken, können eher schaden als helfen.

Er muss seine Grenzen kennen und diese auch offen definieren:

Therapeuten sind nicht Tag und Nacht verfügbar, auch nicht per Telefon und i.d.R. vor allem nicht in ihrer Freizeit. Sie kommen i.d.R. weder Hause noch besuchen sie Patienten im Krankenhaus. Therapeuten, die ihre eigenen Grenzen regelmäßig überschreiten, können Patiente nicht glaubhaft vermitteln, wie wichtig Selbstfürsorge ist.

Sie sind kein Ersatz für Partner oder Freunde. Partner und Freunde können sich nicht gegenseitig therapieren, auch wenn beide aus dieser Fachrichtung kommen.

Der Therapeut weiß um die Phänomene der Übertragung und Gegenübertragung und kann dem Patienten diese Wirkungen auch vermitteln.

Therapeuten berühren ihre Patienten nur, wenn es notwendig wird und diese das zulassen und ganz sicher nicht auf intime Art und Weise. Sie äußern sich auch nicht über das Aussehen des Patienten (es sei denn aus med. Gründen) und machen keine Komplimente. Sie verhalten sich neutral.

Sie sitzen nicht in aufreizenden oder schlampigen Klamotten vor ihren Patienten. (Gibt es tatsächlich).

Wenn ein Psychotherapeut regelmäßig in Euren Stunden Telefonanrufe entgegennimmt oder x- mal den Raum verlässt, ansprechen. Das ist ein No-Go. Es ist Eure Stunde und Ihr habt Anspruch auf volle Aufmerksamkeit.

Serösen Therapeuten ist daran gelegen, ihren Patienten effizient zu helfen und sie nicht therapieabhängig zu machen.

 

Jetzt nochmal zum Thema „Gaslighting“.

Wie erkennt Ihr es:

Eure Wahrnehmung, Eure Symptome werden kleingeredet. „So schlimm kann es ja nicht sein.“

Der Arzt oder Therapeut weigert sich, sich näher mit Euren Beschwerden zu beschäftigen, sich ggf. zu erkundigen oder zu belesen.

Es wird nicht weitergesucht, wenn nicht sofort klar ist, wo das Problem liegt.

Es wird alles auf ein bekanntes Problem reduziert. „Das kommt von Eurer Essstörung“. Was definitiv nicht immer der Fall ist.

Passiert das einmal, ist es fair, das Thema anzusprechen. Ändert sich nichts, ist das ein guter Grund für einen Wechsel.

 

Zusammengefasst kann man sagen:

Ihr habt einen für Euch passenden Therapeuten gefunden, wenn

  1. Ihr das Gefühl habt, Euer Therapeut ist auf Eurer Seite.
  2. Es gibt beiderseits gesunde Grenzen, die eingehalten werden.
  3. Es wird klar und verständlich kommuniziert. Ihr versteht, was Euer Therapeut Euch vermittelt und fühlt Euch verstanden.
  4. Euer Therapeut kann Euch Eure Emotionen erklären.
  5. Ihr verfolgt gemeinsam das Ziel der Besserung, Heilung und letztendlich Unabhängigkeit von Therapie.
  6. Ihr bekommt Rückmeldungen über Eure Erfolge und über das, woran Ihr noch arbeiten müsst.
  7. Ihr habt eine konkrete Anleitung, wie Ihr an Euren Problemen arbeiten könnt.
  8. Es geht Euch im Therapieverlauf besser.
  9. Ihr findet Euren Therapeuten sympathisch und habt das Gefühl, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.
  10. Ihr fühlt Euch als ganzer Mensch gesehen und akzeptiert und denkt nicht, Eurem Therapeuten genügen zu müssen.

Therapie und die Bedürfnisse, die daran geknüpft sind, sind sehr individuell. Es gibt viele gute Therapeuten, aber nicht jeder gute Therapeut ist auch der Richtige.
Macht Euch Gedanken darüber, was für Euch zählt, bevor Ihr in die Probestunden geht und wählt denjenigen, der dem am nächsten kommt.

Und denkt daran: Es ist nicht nur wichtig, dass der Therapeut passt, sondern auch, was Ihr aus Euren Stunden macht!

[1] Der Einfachheit halber nehme ich auch in diesem Text die männliche Form.