Themenwelt –  Autismus/Mental Health

How-To

Kommunikation und Interaktion

Dreizehn wirksame Strategien

Die Unwägbarkeiten sozialer Interaktion- und Kommunikation sind für viele Menschen eine gewisse Herausforderung. Für die meisten Autisten sind diese beiden zentralen Elemente des menschlichen Zusammentreffens und Zusammenseins sogar ein lebenslanges Rätsel und Grund für viele Missverständnisse.

Nochmal kurz erklärt: Soziale Interaktion ist, ganz vereinfacht ausgedrückt, die Art und Weise, wie man aufeinander wirkt, während soziale Kommunikation die Vielfalt an „Instrumenten“ ist, mit denen man sich verständigt. Es gibt keine soziale Interaktion ohne Kommunikation und umgekehrt hat jede Form der Kommunikation einen interaktiven Anteil. Wer sich schwertut, zu kommunizieren, hat also auch immer ein Problem, zu interagieren. Schwierigkeiten in diesen Bereichen können vielfältige Gründe haben. Die meisten psychischen Erkrankungen wirken sich hier aus, genauso wie diverse Behinderungen, die die zwischenmenschliche Verständigung mit betreffen. So eben auch Autismus.

Zum Glück gibt es ein paar Life-Hacks, die das Zusammentreffen mit anderen erleichtern können.

Hier sind nun also 13 Tipps und Tricks die nachweislich wirken:

  1. Tu mir bitte einen Gefallen

Zum Abendessen eingeladen? Es werden dort auch Leute sein, die Ihr nicht kennt? Uff, diese Situation ist für viele ein Grund, die Einladung gar nicht erst anzunehmen. Schade eigentlich, denn man könnte ja auch einen schönen Abend haben. Ihr wisst aber nicht so recht, wie Ihr Euch einem anderen, Euch sympathischen, Gast annähern könntet.

Zum Beispiel so:

Bittet diese Person, etwas ganz Einfaches für Euch zu tun.

„Kannst Du mir mal bitte das Salz reichen“, oder

„Würdest Du mal bitte kurz mein Glas halten, mein Schuhband ist offen, mein Schuh drückt…“

Es signalisiert dem anderen ein gewisses Maß an Vertrauensvorschuss, wenn man ihn um einen absolut machbaren Gefallen bittet. Es macht Euch nahbar und es bringt Euch mit der fremden Person in Kontakt.

  1. Ein volles Glas

Habt immer ein gefülltes Glas in der Hand. Nein, keinen Alkohol. Ich weiß, viele machen das, um lockerer zu werden, aber das ist keine gute Lösung. Ich meine irgendeinen Softdrink.

Immer, wenn Ihr das Gefühl habt, nicht weiterzuwissen, nehmt einen Schluck. Das gibt Euch Zeit, Euch zu sortieren, ohne komisch oder hilflos zu wirken. Der Trick hilft auch, wenn Ihr vor vielen Leuten sprechen sollt (Vortrag) und aufgeregt seid. Wenn Ihr merkt, das Hirn macht zu, trinkt einen Schluck aus Eurer Wasserflasche. Wasser ist essenziell für die Weiterleitung von Nervenimpulsen. Es hilft also auch, Stressimpulse zu steuern und zu verarbeiten. Und etwas in der Hand zu halten, macht sicherer. Wir wollen ja nicht alle die Raute machen 😉

  1. Enttäuschung

Verhandeln ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Wie kriegt man einen Verhandlungspartner trotzdem dazu, sich den eigenen Vorstellungen anzunähern?

Zeigt Euch enttäuscht. Nicht in Form von sprachlicher Aggression oder heftigen Wortwechseln. Nein, übt einen enttäuschten Gesichtsausdruck (Autisten) und zeigt ihn, wenn der andere nicht nachgeben will. Kaum jemand will vor anderen als kleinlich dastehen bzw. einen negativen Eindruck machen. Es liegt in der menschlichen Natur, nicht enttäuschen zu wollen. Zeigen wir uns also enttäuscht, ist die Chance groß, dass uns der andere entgegenkommt. Übertreibt es aber nicht damit. Ein leichter Anflug von: „Das habe ich mir aber anders vorgestellt“ reicht.

  1. Selbstbewusst- sein

Habt Ihr schon mal über jemanden gedacht oder gesagt: „Ob der wohl selbst glaubt, was er darstellt?“
Ja, meistens ist das so. Ihr dagegen seid total unsicher, fühlt Euch schnell in die Enge getrieben, wisst oft nicht weiter?

Der Trick ist: Tut einfach so, als wärt Ihr der Situation locker gewachsen. Zeigt Euch selbstbewusst, auch wenn Ihr Euch gar nicht so fühlt. Das Tolle daran ist: Man steht nicht nur nach außen sicherer und ist weniger angreifbar, sondern man kann auf diese Weise das eigene Gehirn davon überzeugen, dass es seinem Besitzer durchaus etwas zutrauen darf. Ist allerdings Übungssache und wer es überzieht, wirkt künstlich, selbst wenn er tatsächlich irgendwann selbst glaubt, zu sein, was er darstellt.

  1. Dümmer geht immer

Wenn Ihr jemandem ein gutes Gefühl geben möchtet oder müsst, findet ein Thema, das ihm wichtig ist und lasst es Euch erklären. Macht das auch dann, wenn Ihr die eigentlichen Spezialisten seid und Euch mehr als gut auskennt. Das gibt dem anderen ein überlegenes Gefühl und kann vor allem bei leicht narzisstisch angehauchten Vorgesetzten ein paar Bonuspunkte und ein leichteres Arbeitsleben einbringen. Bitte nicht in Freundschaften anwenden. Freundschaft heißt immer, echtes und ehrliches Interesse äußern.

  1. Sagt einfach nichts

Das hilft hervorragend, um einen Streit oder eine fiese Argumentation zu beenden, vor allem, wenn eine Einigung oder ein Kompromiss nicht in Sicht ist und es dem Gegenüber vor allem ums Recht haben geht.
Sagt, was Ihr sagen wollt und dann sagt nichts mehr, auch wenn der andere immer wieder versucht, Euch aus der Reserve zu locken. Lasst ihn reden. Er wird ziemlich irritiert sein, sich verbal eine Weile im Kreis drehen und das war´s. Außerdem wirkt Ihr auf diese Weise ziemlich selbstbewusst.

  1. Seid leise

Wer schreit, hat unrecht. Ruhig bleiben oder eben notfalls, siehe 6.: Schweigen. Niemals laut werden, egal wie sich ein anderer verhält. 

  1. Augenfarbentrick

Wenn es schwerfällt, das richtige Timing des Blickkontaktes hinzukriegen, sagt Euch innerlich die Augenfarbe Eures Gesprächspartners vor, solange Ihr ihm in die Augen schaut. Das ist dann genau der richtige „Augenblick“. Passt aber auf, dass Ihr dabei nicht den Gesprächsfaden verliert.

  1. Fragen und Paraphrasieren.

Ihr wisst nicht, worüber Ihr reden sollt? Dann wiederholt das, was der andere gesagt hat, mit eigenen Worten. Oder stellt Fragen. Auf diese Weise fühlt sich Euer Gesprächspartner ernst genommen und wichtig. Das muss man auch üben, aber Autisten sind in der Regel von Kindesbeinen an wahre Spezialisten in dieser Art von Kommunikation.

Auch hier gilt: Vorsicht in Freundschaften. Kommunikation unter Freunden sollte zumindest nach einer Weile aus echtem Interesse heraus wechselseitig und locker laufen. 

  1. Mhm

Nicken. Wenn man nicht gut paraphrasieren kann, einfach nicken. Hat denselben Effekt.

  1. Vorlehnen

Im Gespräch mit dem Oberkörper etwas vorlehnen/in Richtung des anderen beugen. Das ist eine indirekte Art, zu signalisieren, dass man gerne mit jemandem zusammen ist und interessiert ist. Macht man normalerweise automatisch, achtet mal drauf. Wenn das bei Euch nicht von selbst passiert, könnt Ihr diese Geste bewusst einsetzen.

  1. Warme Hände

Warme Hände vermitteln ein Gefühl des Vertrauens. Vor dem Hand geben Hände aneinander reiben, wenn sie kalt sind. Wobei: Seit Corona ist Shake Hands eh weitgehend erledigt.

  1. Winke-Winke

Ihr wollte jemanden gerne wiedersehen? Dann greift bei der Verabschiedung eines Eurer Hauptgesprächsthemen oder ein gemeinsam gefundenes Interesse nochmal auf und knüpft einen Verabredungsvorschlag dran. Und dann nicht einfach umdrehen und gehen, sondern zurückschauen und winken. Das signalisiert: Schön war´s, gerne wieder.

Ich will diese Tipps nicht als Anleitung zum perfekten Masking verstanden wissen. Dazu will ich die Autisten unter Euch nicht anstiften.

Diese kleinen Tricks sollen einfach eine Hilfestellung sein für die einen oder anderen Herausforderungen im Alltag.