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Denkste?!

Die Gesetze des Denkens

Warum unser Denken nicht nur uns allein gehört

„Denken ist Glückssache. Aber wer wollte nur von Glück abhängig sein?“ (Erhard Blanck)

Tja. Gute Frage. Sie beleuchtet nämlich zwei Seiten einer Medaille.
Das Tolle ist, wir können unser Denken beeinflussen, und es ist lange bekannt, wie.
Die Fähigkeit, uns gedanklich stets neu erfinden zu können, ist ein großes Geschenk, denn wie wir uns und unsere Welt wahrnehmen, entscheidet, ob wir ein gutes oder ein weniger erfülltes Leben führen können.
Andererseits machen sich ganze Industriezweige die Psychologie des Denkens für ihre manipulativen Zwecke zunutze. Und besonders perfide wird es, wenn diese Methoden für politische, religiöse oder pseudospirituelle Propaganda missbraucht werden. Bedenkt man, was passieren kann, wenn das richtige Wissen in die falschen Köpfe gerät, könnte man sich fast wünschen, Denken wäre doch ein kleines bisschen mehr Glückssache als gezielte Berechnung.

Was uns steuert, ist tatsächlich beschrieben im „Gesetz der Beeinflussung“, in den „Regeln des Denkens“ und dem „Gesetz des Glaubens“.

Das „Gesetz der Suggestion“ wurde schon 1920 von dem Philosophen Charels Badouin beschrieben, der sich eingehend mit Hypnose und der Wirkung des Unterbewussten beschäftigte. Seine Schlussfolgerungen wurden immer wieder überprüft, überarbeitet und ergänzt. Sie haben nie an Gültigkeit verloren. Das Gehirn des 21 Jahrhunderts funktioniert Jahrzehnte später immer noch nach denselben Prinzipien. Und die schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

„Law of Suggestion.“

Das Gesetz der Beeinflussung

Es besteht aus sechs Abschnitten, die ich hier mal kurz skizziere:

  1. Law oft concentrated Attention (Die Wirkung der fokussierten Aufmerksamkeit)

 Je mehr Ihr Eure Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, umso mehr Bedeutung bekommt es.

Das kann eine Sache sein, ein Ziel oder ein Gedanke.

Das klassische Beispiel ist das einer Schwangeren, die plötzlich überall Schwangere sieht.

Die Wirkung der fokussierten Aufmerksamkeit kann positiv oder negativ sein, gute oder unangenehme Emotionen hervorrufen, je nachdem, wie wir über das, was wir betrachten, denken.

  1. The Law of Auxiliary Emotion (Die Wirkung der unterstützenden Emotion)

Negative Vorstellungen führen zu negativen Emotionen, die Eure Ziele torpedieren können.

Positive Vorstellungen rufen positive Emotionen hervor und führen Eure Handlung gezielt so, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sich Euer Bestreben erfüllt.

  1. Law oft Reversed Effort (Die gegensätzliche Wirkung der Anstrengung)

Kurz gesagt: Viel hilft eben nicht viel. 80 % sind locker genug. Oder auch: Leichtigkeit siegt.

Je mehr Ihr etwas wollt, je perfekter Ihr zu sein versucht, je mehr Druck Ihr Euch macht, umso eher könntet Ihr Fehler machen oder gar scheitern.

Beispiele?

Wenn Ihr unbedingt einschlafen wollt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es nicht gelingt.

Je intensiver Ihr versucht, Euch an einen Namen zu erinnern, umso unwahrscheinlicher ist es, dass er Euch einfällt.

Wenn Ihr Euch unbedingt schnell erinnern müsst, wo der verdammte Schlüssel liegt, bemerkt Ihr nicht mal, dass Ihr ihn gerade in der Hand habt.

Und wenn ein Text besonders gut werden soll, ist die Schreibblockade fast vorprogrammiert.

 

  1. The Law of Dominant Effect (Die Wirkung des dominierenden Effektes) 

Der Effekt, der die heftigste Emotion auslöst, ist die treibende Kraft. Eure stärkste Emotion gewinnt.
Diese Regel hängt also zusammen mit Gesetz Nummer 2, mit der Wirkung der unterstützenden Emotion.

Wenn Ihr Euch freut, wenn Ihr Euch mutig und stark fühlt, könnt Ihr so ziemlich alles erreichen. Wenn die Belohnung für das, was Ihr tut, ein Feuerwerk in Euren Gehirnen auslöst, werdet Ihr es immer wieder tun. Super, wenn der Erfolg Euch wirklich weiterbringt.
Nur leider wirkt dieses Prinzip nicht nur bei tollen Errungenschaften, sondern auch bei z.B. Süchten. Ein Suchtmittel, ein Suchtverhalten, das den neuronalen Belohnungskreislauf in Gang setzt, wird den Wunsch nach Abstinenz torpedieren. Immer. Bis man mühsam gelernt hat, wie man aus dieser Falle rauskommen kann. Und auch dann kann sie immer wieder zuschnappen.

  1. The Law of Repeated Effect (Die Wirkung der Wiederholung) 

Wiederholung ist unabdingbar, wenn Ihr etwas neues lernen oder etwas wenig Hilfreiches verlernen wollt.

Wiederholung wirkt aber nicht nur im Tun, sondern auch im Denken. Wenn Ihr Euch immer wieder erzählt, welche Versager Ihr doch seid, wie scheiße Ihr ausseht und das Ihr eh nix taugt, wird dieses Denken zu Eurer Identität.
Und Eurem Denken folgen Eure Taten. Wer von sich glaubt, nichts wert zu sein, wird sich so verhalten, dass er von seiner Umgebung auch so behandelt wird, als wäre er nichts wert! Das ist der Selbstbestätigungsmechanismus.

  1. The Law of Subconscious Teleology (Die Wirkung des Unterbewussten)

 Das Unterbewusste unterstützt unser Handeln. Affirmation und (Auto)suggestion wirken auf diese Weise.

Wenn Ihr Euch etwas vorstellt, ist das für Euer Gehirn so, als würde es tatsächlich passieren. Es werden genau dieselben Hirnareale angesprochen, als würdet Ihr es tatsächlich tun. Auch das wirkt wieder im Positiven und im Negativen.

Ihr habt sicher schon SkirennläuferInnen gesehen, die oben am Hang mit geschlossenen Augen die Abfahrt simulieren. Turnerinnen stellen sich x-mal gedanklich vor, wie sie Ihre Figur exakt ausführen. Je besser ihnen das gelingt, umso perfekter wird ihre Performance.
Je öfter und konkreter Ihr Euch vorstellt, welcher Mensch Ihr sein möchtet, umso mehr wird sich Euer Verhalten an Euren Vorstellungen orientieren.
Voraussetzung für die Wirkung ist, dass man Autosuggestion und Affirmation regelmäßig unterstützend anwendet, dann aber natürlich auch zu Taten schreitet.

 Denn Veränderung passiert nicht durch unser Denken allein, sondern vor allem durch unser Handeln.

„The Rules of The Mind “

Die Regeln des Denkens

Es gibt acht Regeln, die ähnliches aussagen, wie die Gesetze der Beeinflussung.

  1. Gedanken wirken im Körper
  2. Emotionen haben Folgen für den Körper
  3. Was man erwartet, das passiert
  4. Was man denkt, wird wahr
  5. Gewohnheiten bleiben, bis sie ersetzt werden
  6. Bewusste Anstrengung limitiert das Unterbewusstsein
  7. Glauben wirkt stärker als die beste Begründung und das fundierteste Wissen

Zusammengefasst heißt das alles:

Gedanken, Emotionen und körperliche Reaktionen sind ein Kreislauf. Alles wirkt aufeinander ein.
Euer Körper reagiert auf das, was Ihr denkt, fühlt oder wollt. Es werden Hormone und Neurotransmitter freigesetzt. Ärger stimuliert die Ausschüttung von Adrenalin, Angst beeinflusst den Herzschlag und Sorgen schlagen auf den Magen. Genauso wirken freudige Emotionen, nur eben positiv. Schöne Gedanken, ein Lächeln oder Freude lassen die Glückshormone steigen. Serotonin und Dopamin verhelfen zu angenehmen Körpergefühlen und schönen Emotionen, die wiederum den „feelgood“ Zirkel am Laufen halten.

Behavior follows Thoughts.
Wir verhalten uns gemäß unseren Gedanken und bekommen so auch, was wir erwarten.
Gehirn und Nervensystem reagieren auf unsere inneren Bilder. Unser Hirn unterscheidet nicht, ob diese Bilder real sind oder nur in unseren Vorstellungen existieren. Diese Annahme folgt der These der Autosuggestion. Wenn Ihr erwartet, zu scheitern, dann werdet Ihr vermutlich scheitern, weil Ihr Eure Gedanken und damit auch Eure Körper in diese Richtung steuert.
Andersrum, wenn Ihr Euch gedanklich nach vorne orientiert, wenn Ihr an Euch glaubt, könnt Ihr gewinnen.
Das beschreibt nichts andere als den altbekannten Effekt der „sich selbst erfüllenden Prophezeiung.“ Man verhält sich gemäß seinen Annahmen und bekommt so die Reaktionen, die man erwartet hat. Erwartungen werden gespiegelt. Ist das nicht so, geraten wir in eine sog. kognitive Dissonanz.
Denn andere Vorstellungen sind nicht mit unserem eigenen Denken vereinbar. Das Gehirn kann nur auf das reagieren, was Ihr denkt. Es fokussiert sich ausschließlich in diese Richtung. So entsteht auch der „Bestätigungseffekt oder Bestätigungsfehler.“ Wir suchen immer nach dem, was unser eigenes Denken bestätigt und weisen zurück, was dem nicht entspricht. Unabhängig davon, ob wir richtig liegen oder falsch. Unser Denken über uns selbst oder über andere oder darüber, wie etwas sein sollte, richtet sich immer nach unserer eigenen Wahrheit.
Diese Wahrheit bleibt so lange beständig, bis sie abgelöst wird. Doch je länger wir in unserem ursprünglichen Denken verankert waren, je mehr wir unser Handeln danach ausgerichtet und uns damit bestätigt haben, umso beständiger und schneller sind die neuronalen Bahnen in unserem Gehirn. Ein Umlernen wird also weniger wahrscheinlich oder zumindest immer schwieriger, je länger wir unsere Muster gelebt haben. Schwierig ist aber nicht unmöglich, denn unsere Gehirne sind in jedem Alter formbar.

Jede Annahme, der wir konsequent und ohne sie ausführlich zu hinterfragen folgen, verringert die Chance, uns für neue Ideen und Sichtweisen zu öffnen.

Was das bedeuten kann, wie Wiederholung, die Macht des Unterbewussten und des Glaubens uns beeinflussen und was daraus entstehen kann, beschreibt

 

Das Gesetz des Glaubens.

Wie oft habt Ihr schon gehört: „Du musst nur daran glauben, dann wird das schon!?“ Hat es gestimmt? Ich würde sagen, im Großen und Ganzen schon.

Was immer die Herausforderung ist, wenn Ihr daran glaubt, sie meistern zu können, werdet Ihr sie meistern.
Glauben wirkt unterbewusst. Er ist die treibende Kraft, die uns dazu bringt, etwas zu tun und zu vollenden, auch wenn es noch so unmöglich scheint.
Doch wie kommen wir zu dem, woran wir glauben?

Schauen wir mal auf das, was man so allgemein versteht, wenn vom Glauben die Rede ist. Das erste, was mir dazu einfällt, ist alles rund um Religion.
Beschäftigt man sich näher mit den Glaubensrichtungen dieser Welt, kommt man schnell darauf, wie die Anhänger dieser Gemeinschaften zu dem kommen, was sie da so glauben. Oder anders ausgedrückt, wie sie dazu gebracht werden, sich diesem Gedankengut anzuschießen.

Die Schlüsselworte heißt auch hier: Konsequente Wiederholung. Beten bis es sitzt!

Egal ob Voodoo Priester, Hexer, Heiler, Buddhisten, Moslems oder Katholiken: Mantras, Gesänge, Geräusche, Tänze, Lesungen oder Formeln werden permanent und immer auf dieselbe Weise, oft sogar zu denselben Zeiten, wiederholt.
In allen Glaubensrichtungen gibt es ein offensichtliches Ritual, in dem irgendetwas stets wiederholt wird.
So wirkt die Kraft der Suggestion, die Macht der Beeinflussung, deren Wirkung von mehr Lebensleichtigkeit bis hin zu gewalltvoller Radikalisierung reichen kann.

Und nicht nur Religion folgt diesen Prinzipien.  

Hitler zum Beispiel nutze genau diese Mechanismen, um das deutsche Volk zum Angriff zu bewegen.. Slogans, Poster, das Hakenkreuz und Flaggen, aufgehängt in ganz Deutschland. Hitlers Foto überall.

„Ein Reich, ein Volk, ein Führer“ wurde zum Chor.

„Heute besitzen wir Deutschland, morgen die ganze Welt“ wurde zum Slogan.

Das alles und vieles mehr tönte Tag ein Tag aus stundenlang aus den Radios und von den Straßen und war in allen Zeitungen zu lesen. Diese hypnotisch wirkenden Einflüsse, gestärkt durch ständige Wiederholung, wurden damit zur Wahrheit der Menschen.

Auch 2020 haben wir Männer an der Macht, die dieses Spiel auf ähnlich perfide Weise spielen. Das Wissen um die Psychologie der Beeinflussung und die Wirkung des Glaubens ist eine gefährliche Waffe in machthungrigen Händen.

Ein weiteres, sehr plastisches Beispiel dafür, dass unser Denken nicht nur uns allein gehört, sind die manipulativen Machenschaft der sog. Gesundheits- oder Wellnessindustrie

Seit Jahrzehnten wird uns eingehämmert, schlank sei gut, erfolgreich, wertvoll. Füllig das Gegenteil. Das ist jetzt unsere Wahrheit. Punkt.
Wir alle sind in diesem Glauben aufgewachsen, umgeben von Plakaten an Litfaßsäulen, Bilden in allen Medien, Werbung und Mode, die uns 24/7 suggeriert: Ihr seid niemand, wenn Ihr Größe 38 tragt und eine schiefe Nase habt. Von auch nur leicht unreiner Haut mal ganz abgesehen.
Dasselbe, wenn es um Nahrungsmittel geht. Wer etwas auf sich hält, lebt raw-vegan oder keto. Kohlenhydrate sind das Fear Food der Nation und Intervallfasten- klar, wer braucht schon Frühstück.
Medien aller Art implementieren das in unsere Gehirne, nicht zuletzt mittels glaubwürdig wirkender, charismatischer Vertreter, und wer von diesen manipulativen Effekten profitieren will, der gibt sich einen wichtigen Titel, schreibt  ein paar Bücher und wird reich. Denn wir kaufen und wir tun das, was unseren Glauben bestätigt. Ungefiltert.

Glauben schlägt Wissen.

Kein Problem, wenn der Placeboeffekt positiv wirkt, aber fatal, wenn man gutgläubig einer Richtung folgt, die am Ende des Tages ihr Versprechen nicht hält.

Glauben verändert die Wahrnehmung der Realität. Was wir glauben, wird unsere eigene Wirklichkeit. Unsere Vorstellung, gekoppelt mit den stärksten Emotionen, der Angst und/oder der Liebe, kann kaum mehr gelöscht werden. Jedes Gegenargument, jedes noch so fundierte Wissen wird ins Leere laufen. Denn sobald Glaubenssätze zu einer tiefen Überzeugung geworden sind, werden sie zu unserer Identität.

Die Effekte der Beeinflussung, des Denkens und des Glaubens können uns unterstützen, uns bestenfalls ausstatten mit einem guten Selbstbewusstsein und einem stabilen Selbstwert. Dann machen sie uns zu Gewinnern.
Dennoch werden wir  leicht zu Marionetten unserer Ängste. Die Sorgen zu versagen, nicht zu genügen und ausgeschlossen zu werden aus einer Gemeinschaft, die uns ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit geben kann, machen den Weg frei für die Illusion der Kontrolle und für ein manipuliertes Dasein, dem wir uns allzu leicht fügen, ohne zu hinterfragen. Tief  in unseren Herzen sehnen wir uns jedoch danach, an uns selbst glauben zu dürfen, nach unseren eigenen Maßstäben zu leben und unseren eigenen Wert definieren zu können, statt unsere Identitäten hinter Glaubensmasken zu verbergen.

Wir dürfen entscheiden, was und wie wir denken und wir sollten diese Chance nutzen. Wir sind nicht Sklaven unseres Gehirns. Wir sind nicht die Exekutive und der Spiegel der Gesellschaft, es sei denn, wir lassen es zu.
Unsere Chance für eine wahrhaftige Identität und für größtmögliche innere Freiheit ist es, zu wissen, wie die Gesetze des Denkens funktionieren, denn so werden wir nicht zu Lemmingen derer, die von der Beeinflussbarkeit unsere Gehirne profitieren.

Unsere Gedanken sind manipulierbar. So gehören sie nicht uns ganz allein. Aber wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir selbst darüber bestimmen, wohin wir sie lenken, auf welche Weise wir handeln, und wen wir darin einschließen.