Themenwelt – Essstörungen

Was ist Was- Essstörungen
Damit wir auch hier wissen, wovon wir reden.

Ernährungspsychologisch werden vier Typen unterschieden:

Genussmenschen sind diejenigen, die einfach gerne essen und Essen genießen. Die essen, weil´s schmeckt.

Feinschmecker legen besonderen Wert auf Qualität während die Fast Food Liebhaber mal schnell bei Mc D. reinschauen, einfach nur um ihren Hunger loszuwerden. Dann gibt´s noch die Gesundheitsapostel, die ihre Nahrung nach sehr strengen Regeln auswählen und auch gerne mal regelmäßig Fastenkuren machen. Das sind diejenigen, die besonders gefährdet sind, im gestörtes Essverhalten zu landen, das unter unglücklichen Bedingungen durchaus auch in eine Essstörung übergehen kann. Auch bei Erwachsenen. Auch bei Männern.

Gestörtes Essverhalten zeigt sich vor allem darin, dass Menschen ihr Essen entweder ohne gesundheitliche Notwendigkeit sehr selektieren, also nach bestimmten, selbst auferlegten Kriterien auswählen oder aber wahllos und meist gedankenlos alles in sich reinstopfen, was gerade im Weg liegt.

Diejenigen, die ihr Essen sehr rigide auswählen, steuern ihr Essverhalten mit ihrem Kopf, mit ihren Glaubenssätzen, anstatt auf ihre Körper zu hören. Die Emotion dahinter ist meist Angst. Sie sind gefährdet, irgendwann eine restriktive Essstörung, wie eine Anorexie oder eine Orthorexie zu bekommen. Die anderen sind die, die ihren Kopf komplett ausschalten, die Emotionen, wie z.B. Stress und Anspannung regulieren, indem sie sich mit Essen betäuben oder beruhigen. Bulimie oder Binge-Eating Disorder bis hin zu Adipositas sind die entgleisten Varianten dieses Verhaltens. Sie können aber sehr wohl auch aus einem gezügelten, restriktiven Essverhalten entstehen.

Glaubt ihr nicht? Die Erklärungen der komplizierten Mechanismen, die dahinterstecken, könnt ihr nach und nach in meinem Blog lesen.

Man kann sagen, Essstörungen resultieren immer aus einer längeren- oder tatsächlich auch nur sehr kurzen- Phase gestörten Essverhaltens. Der Unterschied zwischen gestörtem Essverhalten und Essstörung liegt in der Intensität und deren Folgen. Je rigider oder je ungezügelter gegessen wird, umso näher ist jemand an einer Essstörung. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Essstörungen sind erheblich, die Lebensqualität der Betroffenen ist stark eingeschränkt. Der Leidensdruck wird irgendwann extrem.

Ob jemand eine Essstörung entwickelt oder nicht, hängt ab von den Lebensumständen, der Persönlichkeit und vor allem von der Genetik.

Die Genetik spielt besonders bei Anorexie (und ARFID bei Autismus) eine erhebliche Rolle. Das ist eigentlich schon seit der Semi Starvation Studie bekannt, die 1944 durchgeführt wurde. Leider hat sich die Psychoanalyse als Erklärungsmodell davorgeschoben und überwiegt vor allem in Europa bis heute, so dass wichtige Erkenntnisse in Forschung und Therapien lange nicht berücksichtigt wurden. Die englischsprachigen Länder, allen voran USA und Australien, scheinen hier schon um einiges weiter zu sein.

Man weiß also eigentlich, dass Anorexie allein von einem bestimmten Gewichtsverlust ausgelöst werden kann, wenn Betroffene eine genetische Prädisposition (Veranlagung) dafür haben. Dann braucht es kein Trauma, keine schwierigen Lebensumstände und auch keinen Persönlichkeitstyp.

Das erklärt, warum unter denselben Umständen einige in einer Essstörung landen, anderen schlimmstenfalls im gestörten Essverhalten hängenbleiben oder irgendwann wieder zur „Normalität“ zurückkehren können.

Schauen wir schnell und im Short Cut noch auf ein paar Begriffe. Natürlich kriegt ihr alles nach und nach ganz ausführlich im Blog.

 Ich fange mit den Essstörungen an, die am wenigsten bekannt sind.

ARFID = Avoidant Restrictive Food Intake Disorder

Ihr wisst alle, was „picky eating“ ist. „Kenne ich nicht, mag ich nicht, esse ich nicht.“ ARFID ist das Extrem von Picky.

Gegenstand von ARFID ist das Essen an sich, also die Nahrungsmittel, deren Beschaffenheit, deren Geschmack, Geruch, die Menge und die Umstände, unter denen gegessen wird. Es geht nicht um Gewicht, es geht nicht um dünn sein um jeden Preis, es geht nicht um Emotionsregulation. Zumindest nicht am Anfang. Irgendwann kann sich all das dazugesellen oder es mischt sich gleich, denn ARFID kann auch in eine Anorexie übergehen, vor allem wenn es die Gene so wollen. Manche Menschen mit ARFID haben kein Hungergefühl und kein Verlangen nach Essen. Die Autisten unter Euch kennen diese Variante vermutlich recht gut. Auch hier gibt es Unterschiede zu Anorexie. Menschen mit Magersucht essen wenig, obwohl sie von Essen besessen sein können. Menschen mit ARFID sind in der Regel so gar nicht von Essen besessen. Einige von ARFID Betroffene hatten irgendwann eine schwere Magen-Darm-Erkrankung o.ä. und trauen sich nicht mehr, zu essen, weil sie diese Symptome nicht mehr erleben wollen. ARFID liest sich harmloser, als andere Essstörungen, kann aber genauso bedrohlich werden. Der Leidensdruck Betroffener kann sehr hoch sein.

Bigorexie ist eine weitere Essstörung, die kaum bekannt ist. Sie betrifft vor allem Männer, die ein gestörtes Körperbild haben, die besonders ihre Muskeln nicht so wahrnehmen, wie sie sind und deshalb permanent daran herumexperimentieren (extremes Training u.a.).

 

Schon bekannter sind:

Orthorexie. Das hat man, wenn man es mit der gesunden Ernährung übertreibt, aus Glaubenssystemen heraus wesentliche Nahrungsmittelgruppen komplett ausgrenzt, extreme Fastenaktionen durchzieht und überhaupt ständig mit seinem vermeintlich vergifteten Körper und seiner optimalen Ernährung beschäftigt ist. Orthorexie und Anorexie sind nahe Verwandte.

Anorexie oder auch Magersucht, dazu habe ich oben schon bisschen was geschrieben. Magersüchtige nehmen in kurzer Zeit viel Gewicht ab, weil sie sehr viel weniger essen, als ihr Körper braucht. Genetik spiel eine Rolle, aber eben auch die Steuerung von Emotionen und die Hoffnung, das Leben kontrollieren zu können.

By the way Leute: Auch fülligere Menschen haben Magersucht. DAS läuft komplett unter dem Radar, leider auch bei Ärzten und Therapeuten. Es sickert aber langsam durch, dass man die Kriterien im DSM hier dringen ändern muss.

Es kommt nicht darauf an, wie dünn man ist, sondern wie viel Gewicht man in welcher Zeit verliert und was dann mit seinem (Ess)verhalten passiert.

Bulimiker haben zum Teil mehrmals am Tag Fressattacken, bei denen sie in kurzer Zeit große Mengen essen und wieder erbrechen, Abführmittel nehmen und/oder die Kalorien durch exzessiven Sport wieder loszuwerden versuchen. Physiologische Grundlage der Bulimie ist übrigens auch der Verzicht (Restriktion) auf Essen in den Zeiten zwischen den Anfällen.

Binge Eating Disorder hat man, wenn man Unmengen isst ohne Gegenmaßnahmen, und meist dadurch schnell erheblich an Gewicht zulegt.

Binges, also Heißhungeranfälle, haben alle, die sich über einen gewissen Zeitraum bestimmte Nahrungsmittel verwehren, ganz vorneweg Kohlenhydrate. Irgendwann befielt das Gehirn, was der Körper braucht und schon hat man drei Eis und fünf Brötchen intus und konnte es nicht verhindern.

Also: Do Not Restrict Your Carbs!

Essstörungen sind im Grunde auch ein Spektrum. Es reicht von gestörtem Essverhalten am unteren Ende bis zu schwersten Essstörungen mit Todesfolge am Oberen. Dazwischen überschneiden sich die Symptome häufig, die Übergänge sind fließend.

Zu Guter Letzt: Adipositas, Fettleibigkeit

Adipositas ist an sich keine Essstörung, sondern vielmehr eine Folge davon, mit wiederum schweren Folgen für die Gesundheit.